Synthetische Cannabinoide, auch Cannabinoidmimetika genannt, sind künstlich hergestellte Substanzen, die an den gleichen Rezeptoren im Gehirn wirken wie das körpereigene Endocannabinoid-System oder der Hauptwirkstoff von Cannabis, THC (Tetrahydrocannabinol). Sie wurden ursprünglich zu Forschungszwecken entwickelt – beispielsweise um die Funktion von Cannabinoid-Rezeptoren besser zu verstehen – finden aber seit den 2000er-Jahren auch als Inhaltsstoffe sogenannter „Legal Highs“ oder „Räuchermischungen“ den Weg auf den Freizeitdrogenmarkt.
Wirkung und Risiken
Synthetische Cannabinoide binden meist sehr viel stärker an die CB1- und CB2-Rezeptoren als natürliches THC. Das kann zu intensiveren und schwer vorhersehbaren Wirkungen führen: von starker Sedierung, Euphorie oder Halluzinationen bis hin zu Panikattacken, Psychosen, Krampfanfällen und sogar Kreislaufversagen. Da sie in der Regel vollagonistisch wirken (im Gegensatz zu THC, das nur ein partieller Agonist ist), können sie das Endocannabinoid-System regelrecht „überreizen“.
Vielfalt und Problem der Identifikation
Ein wesentliches Problem: Der Begriff „synthetische Cannabinoide“ umfasst keine einheitliche Substanzklasse, sondern Hunderte unterschiedliche Moleküle, die sich chemisch stark unterscheiden können. Hersteller ändern regelmäßig die Strukturformeln, um Verbotslisten zu umgehen. Das macht Konsum besonders riskant – Wirkstoffgehalt, Wirkungseintritt und -dauer sowie Nebenwirkungen sind oft völlig unklar.
Rechtlicher Status
In vielen Ländern – darunter Deutschland – sind viele dieser Substanzen inzwischen durch das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG) oder andere Regelwerke verboten. Dennoch werden neue Varianten schneller entwickelt, als Gesetze angepasst werden können.
Fazit
Synthetische Cannabinoide sind keine sichere Alternative zu Cannabis. Sie sind extrem potent, kaum kontrollierbar dosierbar und mit hohen gesundheitlichen Risiken verbunden. Ihr Konsum kann schwerwiegende, teils lebensbedrohliche Folgen haben – insbesondere wegen der fehlenden Standardisierung und der oft unklaren Zusammensetzung der Produkte.